Willkommen bei den Schrottis

Nachdem das CityEL jetzt Wochen stand und die Temperaturen wieder in Bereiche kommen, wo man wieder laden und fahren kann, will ich mein Akkupack wieder anschließen. Ich richte mich nach dieser Anleitung hier. Setze eine 60W Glühlampe mit dem Fuß auf den Pol, halte das Kabel an das Gewinde. Zähle langsam bis 10 um die Kondenstatoren in der Steuerung und dem 48-12V Umrichtter langsam vorzuladen. Verbinde dann das Kabel mit dem Pol.

 

Zack! Ein lauter Knall, ein heftiger Funke. 

 

Mist, irgendwas ist nicht so gelaufen, wie gedacht. Hoffentlich ist nichts hin. Das Batteriemanagement-System (BMS) oder die Motorsteuerung sind nicht ganz billig. Ich schalte den Warnblinker an. Der geht, also ist der Umrichter schon mal heil geblieben. Ich schließe die Zellplatinen an, die als Teil des BMS die Spannung der einzelnen Zellen überwachen (balancen), schalte den CityEL ein und ... Dauerpiepton. Das BMS meldet einen Fehler. Zelle 14 (die erste vom Anschlusskabel aus gesehen) mit 2.58 Volt. Ich messe mit dem Multimeter nach: 3.34 Volt. Die Zellplatine misst Mist, sie hat wohl einen Schaden durch den Spannungsimpuls mitbekommen. Um das zu verifizieren, wechsle ich die Zellplatine von Zelle 15 auf 14. Eine schlechte Idee, wie sich herausstellt. 

Beim Anschließen der Platine von Zelle 14 auf 15 gibt's nur einen minimalen Funken, aber die Zellplatine sendet ein Rauchzeichen. Zweite Platine hin. Nach dem erneuten Anschließen und Einschalten des BMS sehe ich an den LED's, 13 Platinen arbeiten, zwei nicht. Gefrustet frage ich im Elweb, wie man die Kabel an die Batterie anschließt, ohne die Balancer zu töten. Da lese ich zunächst "Willkommen im Club der Schrottis" und dass ich nicht der Einzige mit diesem Problem bin. Das tröstet schon mal ein bisschen. Außerdem lerne ich, die Zellplatine muss kontinuierlich Kontakt zu den Polen haben. Für die zuletzt anzuschließende Zelle ist der Vorschlag, die Platine zuerst per Gewindestange anzuschließen und dann darüber das Batterieanschlusskabel zu montieren. 

 

Ok, ich säge mir also eine M8 Edelstahlgewindestange zurecht und schraube die Zellplatine direkt auf die letzte Zelle. 

 

Und ich baue mir ein Sanftanschlußkabel. D. h. ein Kabel, das eine 60W Glühbirne als Widerstand beinhaltet, der per Krokoklemmen an Batteriepol und Batterieanschlusskabel verbunden werden kann. Parallel dazu eine schaltbare Direktverbindung, die den Widerstand überbrückt, wenn die Kondensatoren im CityEL geladen sind. Damit kann ich die Vorladung mit sicherem Kontakt vornehmen und kann dann - hoffentlich wenn diese abgeschlossen ist - die Verbindung ohne Widerstand einschalten. Vielleicht ohne Knall, ohne Funken und ohne geschrottete Balancerplatine? Das wäre ganz prima. 

 

Also, alles zusammengebaut. X-mal Kontakt, Widerstand und Schalter geprüft. Angeschlossen... Die Glühlampe glimmt bei 50 Volt, das CityEL bekommt wieder Strom. Ich warte einige Minuten. Die Glühlampe wird nicht nennenswert dunkler (womit ich gerechnet habe, sobald die Kapazität gefüllt ist). Naja, dann den Schalter umgelegt.... Nichts. Kein Knall, kein Funke... War's das? Dann die Spannung gemessen. Juchu, knappe 50 Volt liegen am Kabel an. Scheint also, dass  das Vorladen funktioniert hat. Vermutlich war die Zeit dafür beim ersten Mal einfach zu kurz, so dass der Stromimpuls zu stark war. 

 

Dann das BMS einschalten, die neuen Platinen anstecken. Sie werden mit einem Piepton erkannt. Dann 49.6V auch im BMS. Prima. Erste Erleichterung. 

 

Aber wie sieht es mit der Motorsteuerung aus? Hat die den ersten Spannungsimpuls überlebt?

 

Also das CityEL hochgebockt, Fahrtrichtungsschalter nach vorn, Strompedal betätigt .... Räder drehen. Yipieehh. Alles heil geblieben. Klasse. Freue und Erleichterung breiten sich aus. 

 

Ich schließe das Ladegerät an die Steckdose an und schwöre mir: Nie wieder werde ich ohne zwingenden Grund den Akkupack abklemmen. Lieber wochenlang an der Steckdose hängen lassen, als nocheinmal so ein Wechselbad der Gefühle. 

 

Nach einigen Stunden mache ich eine Probefahrt von 40 km. Alles in Ordnung. Das CityEL rennt wie eh und je. 

 

Fazit: Viel gelernt. Elektronik versengt. Geld versenkt. Nerven gegrillt. Aber am Ende bin ich froh, so glimpflich davongekommen zu sein. Die Motorsteuerung und der Umrichter sind heil geblieben, die 2 Balancerplatinen mit 2x26 Euro... tja, das sind für ein Fahrzeug eigentlich "Peanuts". Ich war schon drauf und dran (vor dem Hinweis aus dem Elweb-Forum) das CityEL von Leicht-KFZ-Schippers aus Fürstenfeldbruck abholen und reparieren zu lassen, da wäre allein an Fahrtkosten schon mehr zusammengekommen. Schön dass es am Ende geklappt hat, es aus eigener Kraft wieder hinzubekommen. Ich bin dankbar, dass die Leute im Elweb-Forum den entscheidenden Tipp geben konnten. 

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