Touren 2x2

Die geplante Altmühltal-bayrische-Schweiz Tour war für 2 Tage ein bisschen zu ambitioniert. 800 km in 2 Tagen habe ich nicht geschafft. Ich bin in einem Rutsch nach Regensburg gefahren. Über kleine und kleinste Straßen, oft nur geteerte Feldwege. Gleich um 7 Uhr in der Früh bin ich los. Alles ist noch im Nebel. Das Visier beschlägt. Als ich in Regensburg ankomme, hänge ich die Zero bei Conrad an eine Ladesäule und gönne mir beim McDonalds einen richtigen Kaffee (im Prozellanhaferl) und einen Schokomuffin. Anschließend schlendere ich durch den Conrad und bleibe an einem Werbevideo der HTC VR-Brille hängen. 

Ein freundlicher Conrad-Mitarbeiter bietet mir an "Wollen Sie mal testen?". Und nachdem ich Zeit haben, probiere ich sie aus. Nach ein bisschen Vorbereitung (Laden des Programms, Desinfektion der Brille, Abzeichnung des Haftungsausschlusses) stehe ich mit einer VR-Brille "im Dunkeln" bis es schließlich los geht. 

Beeindruckend. Das Spiel selbst ist schwach - ich arbeite als Mechaniker in einer Werkstatt - und hat eher Demo-Charakter für die Technologie. Aber die Darstellung ist phänomenal. Mit 2 Controllern in der Hand wird die Interaktion mit den Objekten der virtuellen Werkstatt gesteuert. Das funktioniert ziemlich gut. 

Die Brille und die Controller liegen bei 900 Euro, ein geeigneter PC wohl um die 2000. Ein teurer Spaß. Aber trotzdem beeindruckend. Ich schlendere weiter und nach einigen Minuten wird mir etwas Übel. Interessant ist, dass das erst nachher kommt, nicht während des Spiels. Scheinbar hat mich die "Motion Sickness" erwischt. Es dauert mindestens 15 min, bis sich das wieder legt.

Mit fast vollem Akku fahre ich weiter, das Altmühltal entlang. Das als schön prognostizierte Wetter lässt auf sich warten, der Himmel bleibt verhangen. Ich fahre das Altmühltal entlang, große Kurven, dem trägen Flüsschen folgend. Ich folge streckenweise der "Straße der Könige und Kaiser", rechts und links sind Burgen und Schlösser zu sehen.

In Beilngries mache ich eine Ladepause. Der Platz vor der Ladesäule ist belegt, weil der Stinkerfahrer "nur mal schnell in die Bank musste". Naja, kein Problem, ich konnte mich mit dem Moped noch ganz gut an die Ladesäule hinquetschen. Anschließend folge ich der Altmühl, unter der A9 durch, so dass ich bei künftigen Dienstreisen jetzt weiß, was an dieser Stelle rechts und links des Autobahnhorizontes ist. Nach 300 km, gegen halb sechs und mit klammen Fingern (es hat nur 7 Grad) beschließe ich, die ambitionierte Strecke zu streichen. Mit längerer Fahrzeit wäre die geplante Strecke vielleicht zu machen, aber die frühe Dunkelheit und die niedrigen Temperaturen senken die Motivation. 

Nach einer Übernachtung in Hilpolstadt, direkt in der historischen Altstadt mit kostenfreier Ladung in Laufweite in einem stilecht eingerichtetem Zimmer, fahre ich über die Hallertau durch Hopfenfelder nach Freising. Dort gibt es eine kostenfreie Ladesäule in der Nähe der Innenstadt, wo ich frühstücken möchte. Die von den Stadtwerken betriebene Säule benötigt aber eine stadtwerkspezifische Ladekarte. Roaming - das Nutzen von Ladesäulen mit Karten anderer Anbieter - ist hier kein Thema. Ich steige gerade vom Moped ab und lese die Vorgehensweise bzgl. der Ladekarte durch, da quetscht sich noch ein Drilling (CZero?) in die verbleibende Parklücke. "Ich bin ja schmal" sagt der Fahrer und fragt ob es in Ordnung ist, dass er hier lädt. Nachdem ich (noch) keine Karte habe, stimme ich zu, notfalls fahre ich eben weiter zur nächsten. In den Stadtwerken beantrage ich die Karte (meine 13.), währenddessen kommt der Drillingfahrer noch kurz rein und sagt, dass es an der Ladesäule noch eine freie dritte Steckdose gibt. Das ist nett! Mit der frisch erworbenen Karte lade ich mein Moped und fahre weiter nach Erding. Auch dort möchte ich nochmal in die Stadt und laden, die Stadtwerke haben aber keine Ladekarten. Wie zum Symbol für diese schwache Leistung ist auch eine der Dosen direkt vor der Tür abgeklebt. Defekt. 

Es geht weiter über Dorfen, Ampfing, Taufkirchen nach Hause. Ins Warme. Schön wieder da zu sein.

620 km in 2 Tagen. Jeweils in ca 11 h. Klar, mit meiner Guzzi hätte ich das locker an einem Tag runtergerissen. Aber auch weniger gesehen. Die "Zwangspausen" zum Laden, laden ein zu Verweilen. 

Die folgenden beiden Tage will ich Richtung bayrischer Wald. 

Am Samstag in der Früh starte ich gegen 8, der Himmel genauso verhangen wie die beiden Tage zuvor. Auch für heute und morgen ist Sonne angesagt, aber ich bin noch skeptisch. Egal, ich habe 2 freie Tage, habe mir eine Tour rausgesucht und möchte fahren. Ich will über Landshut, dort an der Umweltmesse ("Sternfahrt für E-Auto-Fahrer") eine Ladepause einlegen und die Ausstellung anschauen. 

Unterwegs reißt der Himmel auf und wird blau. Herrlich. 

Bei der Einfahrt der Umweltmesse stauen sich die E-Autos. Mit 60 Fahrzeugen hat der Veranstalter gerechnet, 100 sind gekommen. Vor mir reiht sich ein Twizy ein. Ferrarirot, mit Fuchsschwanz. Klasse. Die Zero parke ich zwischen einem i3 und einem Tesla. Premiumfahrzeuge unter sich :-). 

Etwas weiter die Reihe runter steht ein 20 Jahre alter 3er BMW, der auf E-Antrieb ungerüstet wurde. LiFePO4-Zellen wie in meinem CityEL. Aber die Maschine, wow. Es ist ein Asynchronmotor mit ca. 40 cm Durchmesser. Beeindruckend. Die Fahrzeuge der Besucher finde ich interessanter als die Neufahrzeuge der Aussteller. Es gibt ein elektrifiziertes Gogomobil, einen 66er Käfer, eine Twizy-Gruppe mit 17 Fahrzeugen in unterschiedlichen Designs: weiß-blau, rosa, Zebra... alles vertreten. 

Zu guter letzt mache ich eine Probefahrt mit einem Fun-Kettenfahrzeug. 2x 8 kW Kettenantrieb. Am Anfang gibt der Einweiser nur Schrittgeschwindigkeit frei. Dann nach und nach mehr Speed. Die Ketten graben sich ins Erdreich, in den Kurven spritzt das Erdreich seitlich weg. Das Ding ist ganz schön schnell. Wird gesteuert mit einem Joystick. Das Gerät macht echt Spaß. Für Funparks, gibt's aber auch als Arbeitsgerät. 

Mit vollem Akku fahre ich weiter. Nächste Station: Straubing. Kurz nach dem Start zeigt die Reichweite den zweithöchsten Wert an, den ich bisher erreicht habe: 245 km. Auf dem großen Parkplatz in Straubing auf dem das Gäubodenfest stattfindet gibt es 3 Ladeplätze, alle frei. Erstaunlich. Ich docke mein Moped an und laufe 300 m in die Innenstadt. Es empfängt mich ein Stimmengewirr... unglaublich. Die erste Frühlingssonne treibt die Menschen aus, in die Cafes und Eisdielen. Schön. Genauso wie es die Leute ins Freie drückt, strecken auch die ersten Blumen schon die Blüten in die Sonne. 

Nach einer Stunde fahre ich weiter Richtung Neukirchen beim Heiligen Blut, übernachte dort und fahre über den großen Arber und Zwiesel wieder Richtung Heimat. Bis zum Scheitelpunkt der Bergfahrt habe ich 20 km und 500 Höhenmeter absolviert und dabei 15% Akku verbraucht. Bei 20km brauche ich in der Ebene ca. 10%. Für die potentielle Energie ergeben sich also 1%/100Höhenmeter, das passt ganz gut zu dem früher berechneten Wert von 1 kWh/1000 Höhenmeter. Auf kleinen Straßen schlängele ich mich wieder nach Hause. Unterwegs lade ich noch zwei mal ein bisschen nach. An einer E-Tankstelle befindet sich hinter der Ladesäule eine riesige PV-Anlage. Die Lüfter der Umrichter drehen sich mit einem sonoren Brausen. Ein schönes Geräusch. So viel saubere Energie. 

Zuhause angekommen kann ich festhalten: Die Tour mit dem E-Moped ist anders als mit dem Verbrenner. Ich fahre bewusster, i. d. R. auch langsamer. Sehe auch mehr. Beim Fahren (z. B. einen Raubvogel, der ein erlegtes Frettchen ausweidet und mich aufmerksam anschaut, als ich ihn passiere). Aber auch durch die "Zwangspausen" für das Laden. Die Pausen sind auch deutlich länger. Unter einer Stunde geht nichts, weil das Suchen der Säule, Anstöpseln und Freischalten ja auch Zeit kostet. Bzgl. der Ladetechnik werde ich noch was tun. Aber das emissionsfreie Fahren ist super. Keine Abgase, keine spassgetriggerte Umweltzerstörung, ganz geringe Lärmemissionen. Ein gutes Gefühl.

 

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