In Ulm, um Ulm und um Ulm herum

Aus familiären Grunden wollte ich gestern nach Ulm. Die Wettervorhersage war hervorragend. Motorradfahren wollte ich eh. Also beides miteinander kombinieren. Die Entfernung? Auf kürzestem Wege 200 km. Mit ein bisschen Nachladen also zu schaffen. 

Da meine Durchschnittgeschwindigkeit mit Laden und Fahren nicht allzu hoch ist, starte ich gleich morgens in der Früh. Es ist noch halb dunkel. Fahre durch ein noch verschlafenes München. Lade das erste Mal in Puchheim im Industriegebiet. Leider kein Cafe oder Bäckerei in der Umgebung. Mit 80% Kapazität mache ich mich wieder auf den Weg (die Ladegeschwindigkeit sinkt ab diesem Wert). Mein Navi führt mich kleine, wirklich kleine Straßen entlang. In einem Teilstück gibt es sogar nicht mal mehr eine Teerdecke. Aber es ist eine Straße. So richtig mit Verkehrsschildern und Wegweiser zum nächsten Ort.

 

In Pfaffenhausen an der Roth lade ich an einer Bürgermeister-Ladesäule. Ich nenne die so, weil sie von der Gemeinde meist in Sichtweite oder direkt vor dem Rathaus aufgestellt werden. So auch hier. Ein Laster lädt Material ab. Der Fahrer fragt. "Ein Motorrad mit Akku?". Ich nicke. "Und das fährt elektrisch?". Wiederum nicken. Ich überlege, was ist wohl die Alternative?

Der ursprüngliche Plan, an meinem Zielort zu laden haut nicht so gut hin. Praktisch alle Ladesäulen - 47 Stück, eine ganz erkleckliche Zahl - werden von den Stadtwerken Ulm nur den Inhabern einer Schwabencard zugänglich gemacht. Kein Roaming, keine Nutzung durch Inhaber anderer Karten. Man braucht genau diese eine Karte der SWU. Ich habe diese vor einigen Tagen beantragt, weil ich mich im Sommer mit den früheren Mitgliedern unserer Band "Frank's Chop House" treffen möchte, aber ich habe sie noch nicht. Also lade ich in Ulm ein bisschen nach an einer normalen Steckdose mit langem Verlängerungskabel, aber nur mit 1kW, damit die Kabeltrommel nicht überhitzt. 

Auf dem Rückweg sehe ich in Thannhausen an einem Baggersee eine Wakeboardanlage. Warum habe ich die am Morgen nicht gesehen? War ich noch nicht wach? Vielleicht weil noch kein Betrieb war? Naja, das ist jetzt anders. Ziemlich viele mutige Wakeboarder (ich mag ar nicht an die Wassertemperatur denken) versuchen sich auf der Anlage, das schaut richtig gut aus. Sogar mit Sprüngen über die Hinternisse. 

Nach einer Ladepause starte ich gegen 18:30 Uhr Richtung Königsbrunn südlich von Augsburg und München. In der Nähe von Fürstenfeldbruck wird bei Sonnenuntergang gerade ein Heißluftballon am zusammengepackt. 

In Puchheim habe ich noch 26% Akku. Das wird knapp, um damit bis nach Hause zu fahren. Als ich in München ankomme, sagt die Anzeige, 67 km bis zum Ziel und 69 km Restreichweite. 

Das wird knapp. Als ich durch München fahre, wird mir der Vorteil des E-Mopeds nochmal bewusst. Man braucht nicht schalten, ist aufgrund der nahtlosen Beschleunigung sehr agil und vor allem: Man hört was um sich herum passiert, wo ein Auto ist und wo nicht. Ich bin - trotz der Lade-Erfahrungen in Ulm - begeistert. In Zorneding habe ich noch 7% Akkukapazität, 33 km bis zum Ziel. Und die Akkureichweitenprognose liegt 3 km darunter. Es reicht also nicht bis nach Hause. Ich beschließe, in Ebersberg nochmal eine halbe Stunde zu laden. Dort komme ich mit 4% an. Mein empirisch ermittelter Daumenwert von 1% = 1.5-2 km bei verhaltener Fahrweise stimmt wohl also auch bei diesen niedrigen Akkuständen noch, die Reichweitenanzeige wird aber bei 0% immer noch so um die 10-20 km Reichweite anzeigen. D. h. die Reichweitenanzeige berücksichtigt die stille Reserve (10-20 km), 0% ist nicht gleich 0 km. 

Ich gebe meiner Frau Bescheid, dass es noch ein bisschen dauert. Unser mittlerer Sohn fährt gerade von Ebersberg nach Hause. Und nachdem es doch schon ganz schön spät und kalt ist, lasse ich mich überreden, das Moped stehenzulassen und mit ihm nach Hause zu fahren. Er fährt einen BMW Z4. Schnittiges Auto. Aber auch ungewöhnlich laut. Ok, es ist ein Cabrio, das hätte ich aber für ein Fahrzeug dieser Klasse so nicht erwartet. Aber ich sollte das aus meinem CityEL kennen, der ist ja auch nicht leise ;-). Das Moped steht derweil an der Ladesäule und lädt kostenlosen Strom über Nacht für die nächste Tour. 

Fazit: 400 km an einem Tag. Schöne Orte gesehen, schöne Strecken gefahren. Gute Erfahrung mit dem E-Moped im Münchner Samstagabendverkehr. Aber ich habe auch viel gewartet und währenddessen in der Sonne gesessen, Kaffee getrunken und im Internet gesurft. Ok, richtig schlimm ist das jetzt nicht, aber wenn man noch eine längere Strecke zu fahren hat, will man dann irgendwann auch wieder weiterfahren. Bzgl. der Ladegeschwindigkeit muss ich also nochmal was tun. 2.3 kW ist mir zu wenig. 

 

PS: Als ich zuhause ankomme, liegt die Ladekarte der Stadtwerke Ulm in meinem Briefkasten. 1 Tag zu spät. Aber immerhin habe ich sie jetzt. Es ist übrigens meine vierzehnte Karte.

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