Eisenschwein

Aus geschäftlichen Gründen bin ich mit einigen Kollegen vom 15.-17. Januar in Orlando. Zwei Kollegen haben die Idee, noch 3 Tage dranzuhängen und mit geliehenen Harleys nach Key West und wieder zurück zu fahren. Von unserer Konferenz und den üppig genuzten Klimaanlagen nehme ich mir zum Andenken noch eine Erklältung mit. Startpunkt ist Eagle Rider in Orlando, direkt bei einem Harley Händler. 

Wir sind zu fünft, haben die Maschinen schon in Deutschland gebucht, bekommen eine kurze Einweisung und dann geht es los. Keine 200 m kommen wir weit, da leuchtet schon eine Ölleuchte an einer der Maschinen. Also erst mal Pause. Währenddessen drehe ich einige Proberunden auf dem Übungsplatz. Und schon setzt sie auf. Links, mit dem Ständer. Puh. Nach einer halben Stunde geht es weiter, nach dem Ölwechsel wurde der Bordcomputer scheinbar nicht resettet. Naja. An der ersten Ampel verliere ich die anderen 4 Fahrer. Nach einigen Irrungen stoße ich wieder dazu und gemeinsam geht es weiter. Ein paar Ampeln später denke ich noch "schön aufschließen, damit wir alle durchkommen" und zack - fahre ich auf meinen Vordermann auf. Dessen Blinkerglas ist zerbrochen, mein Kotflügel verbeult, sonst ist aber nix. Eins muss man den Harleys lassen: Robust sind sie. 

Wir fahren weiter bis zur Küste, suchen uns dort ein Hotel (was wg. eines bevorstehenden Raketenstarts bei Cape Canaverel gar nicht so leicht ist) und übernachten in Melbourne. 

Am nächsten Morgen starten wir bei 2 Grad Celsius. Es ist kalt. Saukalt. Motorradfahren in Florida haben wir uns anders vorgestellt. Aber der Tag ist schön und es wird immer wärmer. Wir fahren die Küste entlang, um Miami herum, quälen uns durch einen Riesenstau bei Homestead und erreichen am Abend Key Largo. Noch 150 km bis zum Ziel. Nachdem die Sonne weg ist, ist es wieder ganz schön frisch geworden. An einer Tankstelle machen wir eine kurze Rast, die uns wieder Wärme und Lebensgeister einhaucht. Dann geht es wieder - kerzgengerade - weiter unserem Ziel entgegen. Durchgefroren und übermüdet kommen wir um halb 10 im Hotel an. Schnell unter die Dusche, dann noch ins Hotelrestaurant was essen. 2 Bier später übermüdet im Bett. 

Am nächsten Morgen fahren wir die schönste Strecke: Die vielen bunten Häuser, direkt am Wasser, türkisblau, klar. Herrlich. Wir biegen auch mal in einen der Orte ab. Malerisch. Dazwischen aber auch Verwüstungen noch vom letzten Hurricane: Umgestürzte LKWs, zerfledderte Wohnwägen, Schutt. 

Im nächsten Teilstück fahren wir durch die Everglades. Kilometerlange Strecken geradeaus. Dann eine Kurve. Dann nochmals kilometerlang geradeaus. Rechts und links Sumpf und Wälder. Viele viele Wildvögel. Manche schrecken wir auf mit unseren lauten Maschinen. Zwischendrin ein Halt an einem Park mit Alligator-Watching. Dann wieder die gerade Straße entlang. 

 

Motorradfahren in USA ist deutlich anders als hier. Die Strecken selbst sind wenig interessant, aber die Gegend ist dafür sehr sehenswert. Die Verkehrsteilnehmer sind alle sehr entspannt. Anhupen, Drängeln usw. erleben wir nicht. Das Fahren auf der Harley ist gewöhnungsbedürftig. Fürs Geradeausfahren sind sie wie geschaffen. Rangieren geht besser als erwartet, vermutlich durch den tiefen Schwerpunkt. Das Getriebe ist ein Witz. Wenn 5 Fahrer an einer grünen  Ampel den ersten Gang einlegen, gibt es 5 laute Schläge. Das ist lächerlich. Das Schalten mit der Ferse ist nett, die Sitzposition wenig rückenschonend. Ich war froh, sie nach den 3 Tagen wieder abzugeben. Vielleicht hat der frühe Crash mich auch ein bisschen zu sehr verkrampfen lassen. Aber egal. Es war eine schöne Tour, ich werde immer wieder gern an die Keys und die Everglades zurückdenken. 

 

Noch was zur CO2-Bilanz: Ich habe etwa 6.5l/100km gebraucht. Bei gemächlicher Fahrweise! Das finde ich unangemessen viel. Aber da merkt man halt das Gewicht des Eisenschweins. Insgesamt ergeben sich für die Tour mit 1500 km ca. 0.22t CO2.  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0