9 1/2 Wochen Velomobil

Solange fahre ich mein WAW jetzt. Und ich bin begeistert. In der ersten Woche war es schon gut. Ich konnte 35 km/h in der Ebene fahren... prima. Nachdem ich mal den Luftdruck kontrolliert und von 2.5 auf 6 bzw. 4 bar korrigiert habe, lief es dann noch besser. In der Ebene schaffe ich 40km/h gut, manchmal geht da sogar noch mehr. 

Zum Pendeln meiner 27km Stecke brauche ich ca. 45-50 min. Mein Bestwert liegt bei 41 min. Aber da muss alles klappen, der Verkehr muss gering sein und der Seitenwind, sonst kann ich es bei der Innquerung nicht laufen lassen. Inzwischen lege ich es auch nicht mehr darauf an, das letzte Quentchen Geschwindigkeit rauszuholen, meine Sicherheit ist mir wichtiger. Die Druckwelle von überholenden Autos oder böiger Seitenwind sind ab 60 km/h manchmal echt unangenehm. Noch unangenehmer sind Autofahrer, die mich abdrängen oder auch einfach nur mit 30 cm Abstand überholen. Diese Woche hat mich ein LKW Fahrer sogar noch knapper überholt, ich habe es vor meinem inneren Auge schon krachen sehen, da waren nur noch wenige cm Luft. Das ist der einzige Nachteil, dass man als Verkehrsteilnehmer nicht akzeptiert wird ("die Straße gehört den Autos, alles andere stört"). Naja.

Zurück zu den schönen Dingen. Ich sehe beim Pendeln viel mehr. Greifvögel, Hasen, Rehe. Ich bekomme die Frische des Morgens mit. Und sogar Abends auf der Heimfahrt bei 35 Grad macht das Fahren Laune. Ok, ich schwitze, aber solange man fährt, ist die Kühlung des Kopfes gewährleistet und es fühlt sich gut an. 

Letztes Wochenende war ich mit dem Velomobil zu einem Treffen mit meinen Bandkollegen in Ulm. Am Vortag bin ich nach der Arbeit bis Dachau gefahren, dort durfte mein WAW sogar im Hotel in einem Besprechungszimmer übernachten. Die nächste Nacht in Ulm musste es dann draußen schlafen. Auf dem Hinweg bin ich durch Dachau (schlecht) und Augsburg (ganz schlecht) gefahren. Die Verkehrsführung für Radler und insbesondere mit dem Velomobil ist dort echt mies. Die Linienführung ist katastrophal, der Zustand der Radwege schlecht, der dauernde Wechsel auf den Radweg, der Mix mit Fußgängern, dann wieder runter zu den Autos - ein ewiges Hin- und Her, Rauf und Runter und Holterdipolter. Auf dem Rückweg habe ich Augsburg dann umfahren, das war viel besser, auch wenn es 10 km Umweg bedeutet hat. Überland dagegen klasse. Am Samstag bin ich dann in einem Rutsch zurückgefahren. 220 km in brutto 10 h (inkl. Pausen); netto sank der Schnitt von 33-35 beim Pendeln auf 30 für die Langstrecke. 

Bei Regen fährt es sich im Prinzip auch gut. Mit Haube wird allerdings durch das Schwitzen und Beschlagen des Visiers die Sicht schlecht. Ich habe mir deshalb einen Poncho zurechtgeschnitten, damit der Kopf draußen bleiben kann und besser kühlt und nix beschlägt. Bei leichtem Regen hat das ganz gut funktioniert, aber wenn es mehr wird läuft dann am Kragen doch einiges rein, mal schauen wie ich das mittelfristig mache.

Einen Schuss vor den Bug habe ich auch schon bekommen. Bei Regen bin ich einen abschüssigen Kreisel zu sportlich angefahren, das Heck ist mir ausgebrochen, es hat mich um die Hochachse gedreht und dann habe ich eine viertel Eskimorolle gemacht. Es ist erstaunlicherweise wenig passiert. Die rechte Seite des WAW ist nun angeschmirgelt, der rechte Spiegel war zerbrochen, ein fetter blauer Fleck am Oberarm und deutlich mehr Vorsicht beim Kurvenfahren sind das Ergebnis. Ich hoffe ich hab's jetzt gelernt. 

Ansonsten: Velomobilfahren ist einfach nur gut. Man kommt zügig voran, für mich als Alternative zum Zugfahren ideal. Fast 3000 km habe ich nun drauf und ich freue mich noch jedes Mal, in die Arbeit oder nach Hause zu fahren. Und es tut mir gut. 5 kg habe ich abgenommen, meine Anzughosen passen mir wieder gut. :-)

 

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